Aktivitäten
Mooswanderung

Ausgangspunkt für die beschriebene Route ist das Verkehrsamt Benediktbeuern (Prälatenstrasse 3, zwischen Postamt und Rathaus).

Wegstrecke = ca. 10 km. Dauer der Wanderung = ca. 3 Stunden, bei normalem Tempo.

Vom Verkehrsamt aus gehen Sie die Prälatenstrasse abwärts in Richtung Kloster. Unmittelbar nach dem letzten Haus in der Prälatenstrasse zweigt rechts die Ägidius-Jais-Strasse ab.

Die Ägidius-Jais-Strasse, die zu Beginn nur ein schmaler Fussweg ist, führt Sie in die Bahnhofstrasse. Dort gehen Sie entlang der Klosterwiese und der Kindergarten-Spielwiese weiter in Richtung Kloster, überqueren die Bahnlinie und kommen in die Meichelbeckstrasse. Zwischen der ehemaligen Klosterstallung und dem langgestreckten Betriebsgebäude der Flussmeisterstelle zweigt links die Don Bosco-Strasse ab. Sie führt im Norden um den Klosterkomplex herum bis zu einer grossen Scheune. Hier beginnt die Sandstrasse, die Sie ins Benediktbeurer Moos führt. Zu Ihrer Aufklärung: Bei uns sagt man nicht ”Moor”, sondern ”Moos”! Ca. 300 m nach der Scheune gelangen Sie zu einem ”Erlebnis-Biotop”, das vom Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in den letzten Jahren angelegt und seither laufend ergänzt wurde. Es lohnt sich, einen kleinen Rundgang durch das Biotop zu machen und an den Tümpeln und Teichen ein bißchen zu verweilen. Wenn Sie ein wenig Geduld aufbringen, werden Sie dort bestimmt ein paar Naturbeobachtungen machen, an denen Sie sonst achtlos vorübergehen. Ca. 50 m nach dem Erlebnis-Biotop gabelt sieh die Strasse. Sie folgen dem rechten Weg und kommen in freies Gelände. Links dehnen sich Wiesen aus, die bis in die letzten Jahre und zum Teil bis zum heutigen Tag ziemlich intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden. Die ehemaligen Wiesen- und Moosflächen wurden über Drainagegräben entwässert und zur Erzielung ertragreicher Heuernten ausgiebig gedüngt. Sie können dies an der üppigen, aber artenarmen Vegetation erkennen. Im Wintergrund mit Blick nach Südwesten sehen Sie die Bergkette der Voralpen. Von links beginnend: Kirchstein, Achselköpfe, Benediktenwand, Glaswand, Rabenkopf, Jochberg, im Hintergrund über dem Kesselberg-Einschnitt die Berge des Karwendels, dann Herzogstand, Heimgarten und rechts davon die Berge der Ammergauer Alpen. Rechts des Weges erstrecken sich relativ unberührte Mooswiesen. Aber auch sie sind erst durch Bauernfleiss entstandenes Kulturland. Im Gegensatz zu den intensiv bewirtschafteten Heuwiesen werden sie nur einmal jährlich oder auch nur alle zwei Jahre zur Gewinnung von Einstreu abgemäht. Sie werden nicht mehr entwässert und nicht gedüngt und sind deshalb sehr nährstoffarm. Eine Voraussetzung für das reichliche Vorkommen andernorts schon seltener oder bereits ausgestorbener Pflanzen und Tiere! Ganz sich selbst überlassen darf man die Mooswiesen aber nicht. Sie würden in wenigen Jahren von Schilf überwachsen und mit Buschwerk bedeckt sein. Auch ihre Zukunft und Artenvielfalt hängt einzig und allein davon ab, dass sie von Bauern regelmässig und sorgsam gehegt und gepflegt werden. Ein Riesenproblem bei dem Kostendruck, der von den Bauern zur Einkommenssicherung ein ertragreiches und schnelles Wirtschaften mit wenig Personal- und viel Maschineneinsatz erfordert! Zur Linken begleitet Sie ein kurzes Stück ein wieder geöffneter Graben, in dem die einst verrohrten Wässer der Moosdrainierung nun offen fliessen dürfen. Jenseits des Grabens sehen Sie einen hohen Bretterzaun. Hinter ihm verbirgt sich das Klosterbad. Es ist ein Moosweiher, der für die Bewohner des Klosters als Freibad künstlich angelegt wurde. In den letzten Jahren hat sich für das Freibad die Bezeichnung ”Zölibad” eingebürgert!

Unmittelbar nach dem Zaun des Zölibads sehen Sie einen alten Ziegelbau, die ”Moosmühle”. Hier hat man in früherer Zeit, als das Kloster noch mächtig war und auch das Handelsgeschäft wirtschaftlich eine wichtige Rolle spielte, gesammelte Gewürz- und Heilkräuter getrocknet und aufbereitet. Neben der Moosmühle wurde vom ZUK ein Informations- und Beobachtungsstand eingerichtet. Der Weg macht nun eine scharfe Biegung nach rechts und wendet sich nach ca. 200 m wieder nach links. An der Wegbiegung sehen Sie rechts ein grosses Gebäude. Es ist die Fliegerhalle des hiesigen Segelflugvereins, dem hier inmitten des Moosgeländes vom Kloster grosse Flächen als Segelflugplatz verpachtet wurden. Der Wanderweg führt Sie nun zwischen Alleebäumen schnurgerade fast bis zur Loisach. Die Wiesen rechts des Weges sind das Brutgebiet einer ornithologischen Rarität. Hier hat der Wachtelkönig sein Revier. Er ist etwa so gross wie eine Drossel und gehört zur Familie der Rallen. Sie werden ihn kaum sehen, denn er f1iegt selten auf. Aber früh am Morgen und abends können Sie seinen charakteristischen, schnarrend-krächzenden Ruf ”rerrp, rerrp” hören. Mehr auf der linken Seite des Weges haben die kleinen Wachteln ihren Lebensraum. Auch diese können Sie nur hören und kaum sehen, da sie als Hühner- und Laufvögel zwischen den hohen Gräsern ein Leben im Verborgenen führen. Nur ihr zartes Geplaudere ”pickwick, pickwerwick” bestätigt dem Lauscher ihre Anwesenheit. Wenn Sie ein aufmerksamer Beobachter und Zuhörer sind, können Sie auf Ihrer Wanderung durch das Benediktbeurer Moos noch viele andere unserer gefiederten Freunde sehen oder hören: Braunkehlchen, Blaukehlchen, Rotkehlchen, Zaunkönig, Goldhähnchen, Girlitz, Zeisig, Zilpzalp, Bachstelze, Goldammer, Stieglitz, Grasmücke, Neuntöter, Raubwürger, mehrere Arten aus den grossen Familien der Meisen, Spechte und Finken, Lerche, Laubsänger, Amsel und Drossel, Gelbspötter, Rohrsänger, Feldschwirl, Kleiber, Baumläufer, Fliegenschnäpper, Kernbeisser, Seidenschwanz, Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe, Häher, Elster, Rabe, Kuckuck, Baumfalke, Turmfalke, Sperber, Habicht, Bussard, Weihe, gelegentlich Steinadler, Kiebitz, Brachvogel, Bekassine, Graureiher, Wasseramsel, diverse Wasservögel und Enten auf der Loisach usw.. Und wenn Sie sehr viel Glück haben, sehen Sie sogar den seltenen Eisvogel! Natürlich sind auch Reh, Fuchs und Hase, Marder und Wiesel im Moos zuhause. Abseits des Weges sind noch recht häufig Eidechsen und Blindschleichen, Ringelnattern und Kreuzottern vertreten. Sie sind aber sehr scheu und daher nicht leicht zu sehen. Zum Schutz unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt eine dringende Bitte: Bleiben Sie auf dem Weg, führen Sie Ihren Hund an der Leine, pflücken Sie keine geschützten Pflanzen und graben Sie nichts aus! Machen Sie kein Feuer und lagern Sie auch nicht im Gras noch nicht abgemähter Wiesen! In einem kleinen Wäldchen kurz vor der Loisach gabelt sich der Weg. Sie halten sich nach links und kommen nach ca. 200 m an das Ufer der Loisach. Auf einem schmalen Pfad geht es nun ca. 2 1/2 km loisachaufwärts bis zur Einmündung des Lainbachs. Unterwegs passieren Sie mehrere kurze Holzstege, die über Entwässerungsgräben führen. Diese Stege werden nicht ständig gewartet und sind daher nicht immer absolut verkehrssicher. Bitte seien Sie deshalb vorsichtig und verlassen Sie sich nicht unbedingt auf die Stabilität der Geländer. Vor allem bei oder nach Regenwetter können auch die Bodenbretter der Stege ziemlich rutschig sein! Von der Lainbachmündung bis zur Holzbrücke über den Lainbach sind es noch ca. 500 m. Hier halten Sie sich nach links und gelangen auf dem Prälatenweg (ca. 2 km) durch freies Wiesengelände bis zur Bahnlinie München-Tutzing-Kochel. Sie gehen nicht durch die Bahnunterführung, sondern folgen dem Weg entlang der Bahnlinie in Richtung Kloster. Nach ca. 800 m kommen Sie an die Klostermauer, die den grossen Klostergarten einfriedet. Hier beginnt die Asphaltstrasse, auf der Sie bis zur Bahnschranke weitergehen (ca. 250 m). Wenn Sie zur Stärkung im nahegelegenen Klosterbräustüberl einkehren möchten, gehen Sie auf der Sandstrasse entlang der Bahnlinie noch ca. 100 m weiter und sehen dann innerhalb der Klostermauer schon den Biergarten. Oder Sie überqueren die Bahnlinie, gelangen in die Prälatenstrasse und kommen nach ca. 750 m dorfaufwärts zum Verkehrsamt, dem Ausgangspunkt Ihrer Mooswanderung.

Herausgeber: Verkehrsverein Benediktbeuern